Übers „Heiziachn“(Heuziehen) beim Planitzengut

„Welche Arbeiten haben denn die Bauern im Winter?“ Diese Frage bekomme ich grade in den Wintermonaten häufig gestellt. Und genau deswegen, will ich heute mal einen Blick hinter die winterliche Bauernhofkulisse bieten!

Neben Schneeräumen, Holzarbeiten, das Abrichten der Pferde, das Versorgen der Tiere im Stall und die täglichen Arbeiten gehen viele Bauern in den Wintermonaten einem Nebenerwerb  nach. Eine besondere, in unserer Zeit sehr selten gewordene Arbeit, ist das „Heu-Ziachn“. Hier wird das Heu von den Mahdern, welches im Sommer in den Heustadln eingebracht wurde,  runter zum Hof gebracht – dazu braucht es viel Schnee, viel Erfahrung und starke Männer! Diese besondere Arbeit kann man heute noch beim Planitzenbauer bestaunen. Gruber Sepp hat mich mit Hintergrundwissen versorgt und meine beste Freundin Magret, Jungbäuerin beim Planitzengut, mit schönen Fotos. Danke !

Lassen wir uns von diesem Bericht, den  Bildern und Emotionen verzaubern, und uns von dem Anmut der Traditionen bei uns im Tal beeindrucken.

Zeitzeugenbericht von Sepp Gruber Jahrgang 1957                         sepp-gruber

Das Jahr 1969 war gerade 2 Tage alt, als Vater uns Buben in die Scheune rief: „Buama kemmst schnell in d‘Hülln, dort richt ma dös Zeug zamm, weil morgn ist zum Heiziachn von da Oim“. Sorgsam wurde nun für jeden von uns ein Strickbuschen hergerichtet. Ein Strickbuschen bestand jeweils aus 1 Langseil von 8 Meter, sowie 2 Kurzseile von 4 Meter Länge mit Holzkloben auf einer Seite auch „Esterer“ genannt, die nun liebevoll zusammengehängt wurden, um sie dann solchermaßen gut über die Schulter tragen zu können. Natürlich durfte dazu ein „Haabrettl“ (Heubrett), hier handelt es sich um ca. 30cm breite aus Esche geschnittene Bretter, die auf einer Seite leicht aufgebogen und mit einem Strick fixiert waren, nicht fehlen und so hatte man für jeden von uns das Zubehör für den nächsten Tag hergerichtet. Nun, es war noch stockfinstere Nacht, als wir am Morgen mit Lodenhosen bekleidet uns die Wickelgamaschen umbanden, damit unsere Schuhe vom einfallenden Schnee geschützt waren jetzt in die Scheune begaben, wo jeder seinen Strickbuschen um-hing und ein „Haabrett“, dessen Strick um den Bauch zu binden pflegte und wir da-nach wie eine Karawane bergwärts stapften. Vater ging vor, er hatte noch eine mächtige Schneehaue am Rücken, ich als ältester natürlich mit einem schweren Rucksack zusätzlich bepackt als zweiter in dessen Fußstapfen trat, denen meine Brüder der Reihe und Größe nach folgten. Nach rund dreieinhalb Stunden mühevoller Wanderung und Schneestapfen durch den Wald, erreichten wir endlich den Mahdstadel direkt an der Waldgrenze, auf 1700m Seehöhe. Vater begann mit der Schneehaue den Manipulationsplatz frei zu hauen, während wir Buben uns von dem anstrengenden Aufstieg etwas erholen durften. Nun folgte der kreative Teil der Arbeit, Vater nahm einen Strickbuschen behutsam auseinander und legte die Hanfseile in gekonnter Weise netzförmig am Stadelrand aus.

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so werden die Strickbuschn gelegt.

 

Schnell wurden eine Heugabel und ein Rechen unter dem Stadel hervorgeholt und es war nun meine Aufgabe, das Heu aus dem Stadel Vater herauszugeben, der nun sehr geschickt die einzelnen Gaben einschlug und so zu einen mächtigen Heubudel fasste.

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Beim Fossn der Heibudl. Ein Mann im Stadl gibt des Heu raus  und ein Mann beim Budl Fossn. Mit der Schneehau wird die Foss-Stod (der Platz vor dem Stadl, wo der Budl gricht wird) ausghaut.

 

Diese quaderförmigen Gebilde (ca. 200 – 300kg) wurden danach fest verzurrt, das Haabrett hinten angehängt und nachdem für jeden von uns so ein Heubudel der Person entsprechend angepasst hergerichtet war, stärkten wir uns mit einer deftigen Jause. Jetzt ging es los, die Abfahrt über die steile „Haariesen“ (Heuriese oder Loipe), die gerade aus nach unten durch den Wald führte.

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Die Heíriss´n von oben

Der erste, der nach unten zu stechen hatte, war ich, es dauerte nicht lange, denn durch die jungfräuliche Bahn brach ich mit den Füßen im tiefen Schnee ein und schon lag ich unter dem Budel, der über mir zum Stehen kam und die Füße hinten heraus ragten. Vater, der als Letzter in die Bahn trat, eilte sofort nach unten, um mich aus dieser mießlichen Lage zu befreien. Am Flachstück angekommen, war nun Vaters Kraft besonders gefordert.

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Beim Planitzengut: Vorbei an der Felswand, wo Können verlangt wird.

Zunächst mussten die Budel vorn angehoben werden, um die Haarbretter darunter einzuführen und entsprechend zu positionieren. Nun hieß es mit viel Krafteinsatz die Budel durch Schieben und Ziehen nach vorne zu bewegen, ja selbst Vaters Schneehaue kam wieder kraftvoll zum Einsatz, um eine entsprechende Bahn frei zu bekommen. Nach etlichen Stunden war es soweit, wir sind am Lagerplatz endlich angekommen und die Budel hatten wir dort fein säuberlich abgestellt. Am nächsten kam Lotte, unsere Haflingerstute, zum Einsatz. Mit dem Schlitten brachte man die Budel nach Hause in die Scheune.

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Auch die Jugend ist schon stark mit eingebunden in die Arbeit, damit das alte Wissen nichr verloren geht.

Danke an den ausführlichen Bericht von Sepp Gruber. Beim Planitzenbauer wird wie eh und je das Heu auf diese Art zum Hof gebracht.

 

Viel Spass beim Anschauen und Lesen 🙂 Katharina vom Zittrauerhof

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