Willkommen auf dieser Welt ….

Das ganze Jahr über gibt es bei uns am Zittrauerhof immer wieder Geburten, doch gerade im Herbst und Frühling ist besonders viel los in unseren Ställen.

Rund 19 Kühe am Hof kalben bei uns einmal pro Jahr. Und gerade im Spätherbst heißt es regelmäßig: Das Kalb kommt vielleicht heute nacht und man teilt sich das „Auf-Passen“ ein. Kühe suchen sich für die Geburt meist eine ruhigere Zeit aus, bei uns sehr häufig zu Mittag oder eben in der Nacht.

Sind sie noch auf der Weide, dann ziehen sie sich von der Herde zurück, um ein bisschen abgeschieden zu sein.  Mein Mann weiß die Zeichen einer bevorstehenden Geburt sehr gut zu deuten, zum Beispiel schaut er nach der Temperatur, ob der Schwanz schon „weich“ wird, wie der Schleim sich zeigt oder ob die „Flachse schon eingebrochen ist“, allerdings ist wie bei Menschen der Geburtstermin nicht genau vorhersehbar und man geht oft alle zwei Stunden zur Kontrolle rauf in den Stall, besonders nachts. kalbgeburt Ossenkamp.JPG

So wie Matthias die Zeichen zu deuten weiß, hat er sich über die Jahre am Hof hinweg auch angelernt, welche Griffe er während der Geburt ausführen muss und was es zu beachten gibt. Gibt es extreme schwere Geburten, wird der Tierarzt geholt, meist ist Matthias – wie auf fast allen anderen Bauernhöfen auch – der Bauer selbst jedoch der Geburtshelfer 🙂

20171027_164519
Julia mit dabei bei der Kälbergeburt – sichtlich ein Erlebnis

Sobald die Geburt rum ist, geht es an die Erstversorgung des Neugeborenen: Wasser in die Ohren des Kalbes, Schleim aus dem Mund und homöopathische Geburtsmittel für Kalb und Kuh. Anschließend ist es wichtig, dass die Kuh aufsteht und viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Hierfür bekommt sie  warmes Wasser, soviel wie sie will, gemischt mit Cola.

SAMSUNG DIGITAL CAMERA
mit dem Stroh abgerubbelt ….

Besonders groß ist die Freude, wenn es ein Kus-Kaibi (weibliches Kalb) ist, da wir die eigenen Kälber zur Aufzucht verwenden können, die Stierkälber werden nach den ersten Monaten an die Erzeugergemeinschaft zur Mast verkauft.

Nach der Erstversorgung wird das Kalb von der Mutter abgeschleckt und wir desinfizieren den Nabel des Kleinen. Kalb und Kuh bekommen dann von uns noch drei Tage homöopathische Mittel zur Stärkung einerseits, zum Zurückbilden der Gebärmutter andererseits.

Anschließend kommt das Kleine in die Kälberbox und wird mittels eines Trinkeimers mit der Muttermilch versorgt. Und wie beim Menschen auch, ist die Kolostralmilch von den ersten Melkeinheiten von besonders wichtiger Bedeutung und sehr kostbar! Bei uns heißt diese Milch „Biestmilch“. Die Biestmilch von den ältesten Kühen wird eingefroren und aufgehoben, um sie für Notfälle auf Vorrat zu haben. Sie kann auch zur Stärkung für einem selber im Rahmen einer Kur sehr gut angewendet werden und hilft gut. 

Es ist jedes Mal eine große Freude, wenn ein Kalb gesund zur Welt kommt. Schönen Sonntag euch allen. Ich freue mich schon auf die nächste Bauernhofgeschichte!

Katharina Schwaiger vom Zittrauerhof in Gastein.

Advertisements

… auf die Plätze – fertig – los – zum Heign is!!

Wenn der Löwenzahn verblüht ist, haben die Bauern ein besonderes Kribbeln in den Beinen, die Wetterberichte werden intensiver beobachtet und man schaut auf die alten Zeichen, die die Natur uns preis gibt. Wann gehts los mit der Mäherei ? Mein Tati (Papa)  hatte sehr lange ein besonderes Gespür dafür, schaute auf seinen Südtiroler Barometer und ging oft noch bei Regen ausmähen und wusste, jetzt wird es schön!! Da hiess es dann oft, „wenn der Jakob mäht, dann gemma a“.  🙂

tati beim mähen
Unser Tati beim Mähen

Es wäre jetzt auch Zeit zu mähen und die Wiesen sind reif für die Ernte. Nur macht einem das Wetter oft einen Strich durch die Rechnung und es wird in den letzten Jahren immer schwieriger, den Silo bzw. das Heu „trocken“ ohne Regengüsse einzubringen. Auch die ganze Technik kann einem die Entscheidung nicht abnehmen, ob es tatsächlich „halten wird oder nicht“. Passt dann endlich das Wetter so wie am 7. Juni – hört man schon früh morgends die Mäher laufen, die Traktoren auf den Straßen fahren und man weiss, die nächsten Stunden gibts jede Menge zu tun. Ich liebe den Geruch von frisch gemähtem Gras, ihr sicherlich auch oder ? 

Im Frühling werden die ganzen Traktoren, Maschinen, Kräne gewartet, kontrolliert, die Messer ausgewechselt, geschliffen und geputzt. die Sensen „gedongelt“. Damit man dann, wenn das Wetter passt, schnell reagieren kann. Für jene Bauernhof-Geschichtenleser, die noch nie bei einer Heu-Ernte dabei waren, möchte ich gerne schreiben, wie es bei uns abläuft, wenn gemäht wird.

155_5511Passt das Wetter, muss zuerst mit dem Mäher und der Sense „ausgemäht“ werden, wir haben zwar viele flache Wiesen, aber es sind viele Gräben dazwischen. Es ist wichtig, dass die Wassergräben immer gemäht und geheut werden, sonst wächst alles zu. Ist dann ausgemäht, fährt mein Mann mit dem Traktor und mäht die Wiesen mit dem Mähwerk. In Gastein wird im Sommer meist dreimal gemäht, das erste Mal nennt man „Vorgras“ und wir geben diesen ersten Schnitt meist in die Silage. Ist alles gemäht, sausen wir aufs Feld und rechen händisch mit der Hand die  Feldränder und heuen die Gräben aus. Dann kommt Opa Hias oder im Sommer auch unser Praktikant Thomas Scheiblbrandner und wendet mit dem Kreisel-Heuer das Gras, damit es abtrocknen kann.

siloballen verkaufFür die Silage braucht man einen sonnigen Tag, für das Heu mindestens zwei. Mähen wir ein steiles Stück, man sagt in Gastein, eine Leitn, so kehrt man manche Teile, die man mit den Maschinen nicht erwischt, mit der Hand um, dass sie trocknen können. Der Duft, wenn das Gras am Boden liegt, ist einfach fantastisch.  Wenn man länger am Feld ist, nimmt man sich eine Wasserflasche mit. Bei mir daheim war es so, dass das kleinste Kind immer der Wasserträger war und die grösseren haben geheut. Auf den Bergbauernhöfen muss trotz spezieller Maschinen noch sehr viel per Hand gemäht und geheut, umgekehrt werden, dazu gehört viel Wertschätzung und Achtung!  Es ist bewundernswert und schön, dass in unserem Tal noch so viel gemäht wird und dass die Familien zusammenhelfen, gerade wenn viel mit der Hand zu heuen ist. Drängt das Wetter, muss man noch einen Zahn zulegen und schneller heuen. Hat die Sonne das Gras bzw. Heu wunschgemäß getrocknet, wird das Gras zu „Riedeln“ zusammengeschlagen, damit der Traktor mit dem Ladewagen oder der Siloballenpresser das Gras aufheben kann. Soll das Gras zu Heu werden, muss es mehrmals gewendet werden, es braucht mind. 2 Sonnentage. Einige Bauernhöfe haben inzwischen Belüftungsanlagen, sodaß man das Heu auch wenn es noch nicht ganz trocken ist, ernten kann und belüftet es im Anschluß in der Hien (Scheune).Bei dem wechselhaften Wetter sicherlich die beste Investition.

155_5512
unser unvergeßlicher Willi beim Einfutter-Mähen

 

Auf jeden Fall ist die Heu-Ernte immer wieder schön und es gibt für keinen Bauern mehr Freude, wenn alles trocken geheut werden konnte und nichts angeregnet wurde. Regnet es einem dazwischen, muss die ganze Arbeit nochmals gemacht werden und zusätzlich hat man den Nachteil, dass das Futter an Wert verliert. Hat man Pech, liegt das Gras tagelang,  und wird dann bei den Bauern als „Fuchs“ bezeichnet… Dann hoffen wir mal, dass das Wetter entgegen der Prognosen besser wird und wir Bauern wieder zur Heu-Ernte starten können. Einen schönen Vatertag euch allen ! Katharina

 

Muuuuh… das geht auf die Kuh !

Wär hätte es gedacht, aber heute geht es um unsere Kühe. Wobei falsch, viel mehr geht es um das, was unsere Kühe uns geben! Die Milch… Manch einer mag jetzt vielleicht schon denken: Was will Katharina denn jetzt??? Ich weiß, dass das Thema Milch momentan in aller Munde ist, doch es bestimmt und beeinflusst ja auch unser Leben hier am Hof. Schließlich waren und sind wir seit Jahrzehnten ein Milchbetrieb und möchten es auch bleiben – wie viele andere Bauern auch !!! Der derzeitige Milchpreis, der Vermarktungspreis für die Kühe stimmt jedoch allgemein sehr bedenklich.

Grasende Kühe inmitten der Naturlandschaft
alle Milchviehbetriebe bekommen die Dumping-Preise im Supermarkt zu spüren

Ich möchte einfach diese Woche mal meine Gedanken mit euch teilen, vielleicht kennt jemand auch Antworten auf Fragen, die ich mir selbst nicht beantworten kann…

Milch ist bei uns, als auch bei anderen im Haushalt allgegenwärtig. Ob beim Frühstück, Mittag oder Abendessen; zum Backen, Kochen oder einfach so zum Verzehr; in frischen Produkten oder in Fertigwaren im Supermarkt, überall findet man Milch. Bewusst oder unbewußt wird sie täglich benützt. Und doch ist man nicht bereit mehr für ein Päckchen oder eine Flasche Milch zu zahlen? Oder würden die Menschen sogar mehr zahlen für dieses kostbare LEBENSmittel? Ich weiß es nicht…

Gerade weil Milch in so vielen Produkten enthalten ist und regelmäßig verwendet wird, sollte es doch eigentlich ein Bewusstsein bei allen geben, das auch wertzuschätzen. Vier Euro für einen Energydrink bezahlen, aber bei einem Liter Milch knausern? Ich finde das kann doch einfach nicht sein.

Joghurt

Vielleicht sehen viele Menschen auch gar nicht, was eigentlich hinter der Milch steckt oder sie kennen einfach nicht den Geschmack von richtig guter Vollmilch frisch vom Hof. Eine Praktikantin aus Deutschland sagte mir mal: „Katharina, ich habe diese Woche das erste Mal wieder Milch zu Hause probiert. Und sie hat einfach nicht geschmeckt. Früher war der Geschmack für mich normal, aber nach Wochen mit frischer Alpenmilch von euch ist das einfach kein Vergleich mehr“.

Und ja man kann sagen: Milch ist nicht gleich Milch! Man schmeckt den Unterschied. Ob frisch zum Trinken oder im Joghurt. Unsere Kühe gehen jeden Sommer hoch auf die Alm und fressen saftiges Almgras und Alpenkräuter. Und ich behaupte und das ist auch bei den Molkerei-Ergebnissen Fakt, dass man das schmeckt ;).

Und jetzt hab ich Lust auf ein Glas Milch! Ihr auch? Dann geht doch mal zum Bauern um die Ecke oder kauft die gute SalzburgerLand Milch im Geschäft. Super lecker, super gesund und einfach gut! Ich bin mal positiv gestimmt und hoffe, dass der eine oder andere dies beherzigt und sich etwas Gutes gönnt – sei es in Form von Käse, Milch, Joghurt, Kuchen, Aufstriche, Topfen usw. – jeder einzelne ist wichtig. Auch wenn nachfolgendes Plakat eine andere Tier-Rasse darstellt, stimmt der Beitrag voll und ganz.

milchpreis

Eure Bäuerin Katharina

 

jede Dame ihren Namen …

Seit es meinen Bauernhofblog gibt, hat man schon so einiges über unser Leben und die Hofbewohner – egal ob Zwei- oder Vierbeiner – lesen können. Wenn wir hier am Hof über unsere Tiere reden, geht es eigentlich nie um „das Schaf“, „die Ziege“ oder „den Hund“. Wie wir Zweibeiner auch, haben alle unsere Tiere einen eigenen Namen und keiner ist doppelt. Wahrscheinlich ist es in den Blogbeiträgen schon aufgefallen, wenn ich von Molly, Nelly oder Fiona schreibe. Aber bisher ging es meist nur um unsere kleinen Tiere aus dem Kinderstall.

Doch nicht nur dort bekommt jeder seinen ganz persönlichen Namen. Denn auch unsere lieben Kühe, welche der zentrale Punkt an unserem Hof sind, bekommen ihre Namen. Man könnte jetzt meinen, dass wir das nur so zum Spaß für unsere Feriengäste machen, aber jedes Tier am Zittrauerhof verdient es einen eigenen Namen zu tragen und es ist auch  wichtig für einen Zuchtbetrieb und wird auch vom Zuchtwart alles genauestens mitprotokolliert. Und so tragen, unsere Kühe stolz ihre Namen, haben Namensschilder im Stall. Jede Kuh hat ihren bestimmten Platz, auch auf der Alm, wenn sie gemolken werden.

kühe namensschilder
Jede Dame hat ihren Namen

Manchmal kommen Kühe auch an einem anderen Platz und müssen sich erst an den neuen Stand gewöhnen. Oder eine Kalbin kommt zum Kuhstall rüber, bevor sie das Kalb bekommt. Dann ist es anfangs oft schwierig, dass sie ihren Platz gleich findet und muss von uns genauer „eingewiesen“ werden. Auch jetzt anfangs der Weidesaison bedarf es ein bisschen mehr Zeit und Ruhe, bis alle Kühe am richtigen Platz sind. Matthias spricht jedoch den Namen der Kühe beim Reinlassen in den Stall aus und so tun wir uns leichter beim Einweisen und die Kühe werden es schneller gewöhnt, den richtigen Platz zu finden.

Kommt ein Kalb zur Welt und ist es weiblich, bekommt auch das „Kuskaibi“ den Buchstaben der Mutter, meist die ersten zwei. Bsp. Karina ist die Mama, die Katja ist die Tochter. KA – KA . So ist es zumindest bei uns am Hof.

Ich finde es schön, wenn Kühe noch einen Namen am Hof haben und nicht von Roboters Hand gemolken und betreut werden. Ihr auch ?? Beste Grüße und noch einen schönen Abend, Eure Bäuerin Katharina .

Kleine Tierliebhaber entdecken den Kinderstall

Dass sich die Gäste bei einem Bauernhof-Urlaub Tiere erwarten, ist uns als Vermieter bewusst. Ich habe bei unseren Kindern und Gästekindern gesehen, wie wichtig der Kontakt mit Tieren ist. Wieviel Freude Tiere uns bereiten können,  Ruhe ausstrahlen und die Seelen glücklich machen. Viele unserer Gäste kommen aus der Stadt oder aus Regionen, wo Landwirtschaft keine große Rolle mehr spielt und gar nicht so genau wissen, wie das Leben mit und von der Natur eigentlich möglich ist. Welche Tierarten es gibt, was sie mögen und fressen, wie lange sie trächtig sind usw.

 maria mit mona kind mit Minischwein bella

Und so hatten wir im letzten Frühling die Idee, einen einzigartigen „Kinderstall“ zu gestalten, der die Heimat unserer Kleintiere werden soll. Doch wo fängt man an? Was muss man beachten? Und was wollten wir überhaupt genau? Um diese Fragen zu klären, haben wir mit Lisa, einer pädagogischen Fachkraft, unserer treuen Stammgastdame Sabine, meinen Mann und dem ideenreichen Opa Hias ein Konzept für das neue Vorhaben erstellt.

kind mit hasen

Der so entstandene Kinderstall ermöglicht einen guten und spielerischen Einstieg in die Tierwelt und ist exklusiv für unsere Hausgäste zugänglich. Es gibt viel Wissenswertes zu entdecken und so manches Tier darf eigenständig gefüttert und gepflegt werden. Dabei handelt es sich aber nicht um einen gewöhnlichen Streichelzoo, sonder das richtige Stallleben wird hautnah erlebt. Ob beim Füttern der Ziege, dem Pflegen der Hasen oder dem Spaziergang der Mini-Schweine über den Hof, für Spaß und neue Erfahrungen ist im Kinderstall garantiert! Auch an Sichtfenster für Kinder, die den Abstand zum Tier noch brauchen und aus der Ferne betrachten wollen, hat mein Mann gedacht. Die viele Arbeit, die enstandenden Kosten und die Zeit, die wir für die Errichtung benötigt haben, hat sich ausgezahlt.

Doch das Leben mit den Tieren spielt sich nicht nur im Stall ab! Tagsüber kann man Tier und Natur rund um den Hof erleben. So kann man beispielsweise die Turnkünste der Ziegen auf ihrem eigenen Ziegenspielplatz sehen und erforschen oder die fleißigen Laufenten bei ihren täglichen Runden über den Hof begleiten. Sieht, wie Nelly mit dem Opa die Kühe reintreibt oder ein Kälbchen getränkt wird. Und wenn man Glück hat, erlebt man sogar wie ein neuer Hofbewohner das Licht der Welt erblickt.

maria und mama beim Kuscheln vom Hasen2015-09 Jacky Jaqueline (9 mit Molly   SAMSUNG DIGITAL CAMERA