Stinkt die Kuh ?

Seit ein paar Tagen kursiert ein Facebook Bericht von einem Landwirt-Ehepaar, die darüber berichten, wie ihr Kind im Kindergarten verspottet wurde. Das Kind sei ein „Bauernkind“  und „stinke“ nach Kühen.

Der Bericht hat mich persönlich sehr getroffen und lange beschäftigt. Er zeigt, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit über das Leben als Bauer geleistet werden muss.

Kälbchen mit Kind geburt.jpg

Ich wurde an meine frühere Schulzeit erinnert – die ja auch noch nicht Ewigkeiten her ist: Wir waren nur ein paar Bauernkinder in der Klasse. Und wahrscheinlich genau deswegen wurden wir gehänselt. Wären mehr Bauernkinder in der Klasse gewesen, wäre es wahrscheinlich anders gewesen, da unser Leben dann als selbstverständlicher angesehen worden wäre.

Kommt ihr frisch aus dem Stall? Hast du dich denn überhaupt gewaschen?

Solche und andere Boshaftigkeiten bekamen wir den Schulvormittag über an den Kopf geworfen. Ich selbst konnte das Verhalten meiner Mitschüler nie verstehen. Warum dachten sie so über den Bauernstand? Hatten sie überhaupt Ahnung von unserem Leben? Ja, ich war oft bei den Tieren! Aber danach habe ich mich gewaschen und die Kleidung gewechselt! Ganz normal eben. So wie man es im alltäglichen Hofleben eben macht.
Zuerst habe ich mich gar nicht getraut, zuhause davon zu erzählen. Ich wusste nicht, wie die Reaktion darauf wäre. Was passieren würde. Und ob ich danach nicht nur noch mehr gehänselt werden würde.

Doch irgendwann erzählte ich es doch. Wir hatten das Glück, dass mein Onkel in die Schulklasse kam und die ganze Situation klärte. Und auch unsere Lehrerin nahm sich des Problems an.
Danach hatten wir unsere Ruhe und das Blatt wendete sich: Die Schulkameraden wurden auf den Hof eingeladen und sie stellten fest, dass wir doch ein tolles Leben führen. Der Hof hat eine wunderschöne Aussicht, unzählige Spielmöglichkeiten waren rundherum und um die zahlreichen Tiere wurden wir beneidet.

Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als einen Bauernhof zu haben, auch wenn man auf vieles verzichten und wie jeder andere Selbstständige täglich sein Brot hart verdienen muss. Aber allein der Zugang zu den Tieren ist etwas Wunderbares, das Rauslaufen können und die Verbundenheit mit der Natur – einfach unersetzbar.

20150523_161809.jpg     elisabeth pekrul, kind mit esel angelina 2014.JPG

Viele Kinder kommen auch ganz „anders“ wieder zurück, wenn sie bei den Katzen, Hasen, Schweinen oder Kälbern waren, sie sind ausgeglichener, erleben Freude und haben tierisch gute Freunde gefunden, denen man nicht viel erklären und erzählen muss. Sie verstehen einem eben und „saugen“ Probleme auf. Unsere Gäste nehmen meistens ein eigenes Stallgewand für die Kinder mit und sind glücklich darüber, dass die Kinder bei den Tieren so eine Freude haben und dabei ist der Stallgeruch komplett nebensächlich.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hier  Maurachgut bin ich aufgewachsen – mein persönliches Paradies

Zu uns sagten viele Gäste: „Kinder ihr wohnt im Paradies“ – ich hab mich darüber oft ein wenig lustig gemacht, als Kind habe ich das nicht so gesehen. Wir sind zwar mit dem Schlitten und den Skiern in den Ort gefahren, aber es war eben immer ein Stück zu gehen, bis wir zur Schule kamen oder uns mit Freunden treffen konnten. Wenn man älter ist, möchte man diese Zeit überhaupt nicht missen, erinnert sich gerne an die Abenteuer beim Runterfahren, die lustigen Geschichten, die erzählt wurden.

Derzeit nehme ich einen Trend war, dass die Bauernkinder wieder stolz darauf sind, in einem bäuerlichen Betrieb aufzuwachsen und das ist gut so. Sie kennen die Eigenarten der alpinen Landwirtschaft, können sich mit der umliegenden Natur identifizieren und wissen das Leben außerhalb des Medienkonsums zu schätzen. Und grade dieses ursprüngliche Erleben weckt die Sehnsucht der Leute, sich für das Hofleben zu öffnen und dessen ganze Facetten selbst erleben zu wollen.

SDC10294.JPG

Und damit ist ein Grundstein für uns Landwirte gelegt, an dem wir ansetzen können. Es ist ein Teil unseres Hofalltags am Zittrauerhof, den Gästen unsere Werte, Traditionen und einfache Lebensweisen näher zu vermitteln und so ein neues Bild des bäuerlichen Lebens in der Gesellschaft zu verankern.

Wer Interesse hat, den Bericht des Landwirt-Ehepaars zu lesen, gerne – hier ist der Link.

Alles Liebe aus dem  Gasteinertal,
Bäuerin Katharina vom Zittrauerhof
www.gasteinurlaub.com

 

Advertisements

.. und Weihnachten kommt trotzdem

 Jedes Jahr in der Weihnachtszeit muss ich an die Worte meiner Mama „und Weihnachten kommt trotzdem“ denken. Man will dies und das noch erledigen, alles soll schön sein und geputzt, schön dekoriert, Kekse gebacken und die Krippe gerichtet, für die Gäste alles perfekt sein und Zeit für einem selber und die Familie will man auch. Nur ist das Leben nicht so perfekt und irgendwas, was man sich vorgenommen hat, schafft man dann doch nicht und bleibt auf der Strecke. Meine Mama behält die Ruhe und sagt dann, wenn sie mich in Hetze sieht „und Weihnachten kommt trotzdem“.

mama-bild-alleine
unsere Mama

JA sie hat recht und diese Worte geben mir Kraft, das Nötigste zu schaffen und es nicht so tragisch zu sehen, ab und an zu lächeln und einfach dankbar zu sein, was man alles hat.

Und es gibt auch Weihnachten, denen man nicht fröhlich ins Auge blicken kann und sie am liebsten streichen würde, diese Zeit seelisch fast nicht aushält, besonders wenn in der Familie etwas Schlimmes passiert ist oder jemand krank geworden ist oder man einfach hilflos ist.  Da kann man die Kraft kaum aufwenden zum Anstimmen für das Lied „Stille Nacht“ und ist sehr, sehr traurig. Und trotzdem kommt Weihnachten, meinte meine Mama auch in diesen schwierigen Zeiten. Gemeinsam kann man diese schwierigen Tage und Stunden leichter überstehen und wieder nach vorne blicken. Wer solche Weihnachten noch nie hatte, für den freu ich mich sehr, denn es ist sehr schwer, dieses schöne Fest in dieser Stimmung zu ertragen.

Heute möchte ich mich aber den schönen und fröhlichen Dingen widmen – den Vorbereitungen vor dem Weihnachtsfest und unserer Mama. Sie ist für uns Kinder und Tati ein ganz besonderer Mensch, behält trotz nicht immer einfacher Lebenslagen ihren Mut und gibt Zuversicht und Freude an alle.  Eine gute Mama halt. Sie hat uns soviel gelehrt – auch die Liebe zum Brotbacken.

Auch das nachfolgende Rezept hab ich von meiner Mama gelernt – das Apfelbrot. Neben dem Kletzenbrot backe ich dieses Rezept sehr gerne und vor allem, es ist ohne Sauerteig und Brotteig möglich und für jeden Haushaltsofen gut geeignet.

Rezept für das Apfelbrot:

apfelbrot

1,5 kg geriebene saftige Äpfel, 500 g Rosinen, 300 g Haselnüsse oder Walnüsse, 500 g Feigen, 1/8 lt. Rum, 500 g Zucker, 1 Packung Vanillezucker, 1 Esslöffel Kakao, 1 Teelöffel Nelkenpulver und 1 Teelöffel Neugewürz (oder Lebkuchengewürz), ein bisschen geriebene Orangen- und Zitronenschalte. Alles am Vortag verrühren in einer Schüssel und mit einem Deckel zudecken, sodass der Alkohol nicht verraucht. 1000 g Mehl (Weizenmehl) und 2 Backpulver-Päckchen sowie eine Prise Salz miteinander vermischen und zu der anderen Masse dazu. Dann rasch zu Laiberl oder Stritzerl formen, ein bisschen stehen lassen, auf das Backbleck eine Tasse Wasser geben und ggf. das Brot auch bespritzen und rein in den Ofen. Man kann sie auch gut in Kastenformen geben und bei 170-190 Grad, je nach Backofen 1 bis 1,5 Stunden backen.

apfelbrot fertig 12.jpg

Es ist für mich eine Freude und Entspannung, jetzt noch vor den Feiertagen Brot zu machen und diese als Geschenke zu verwenden, die Selbstgemachtes schätzen.

Viel Spaß beim Nachbacken und Freude im Alltäglichen, denn „Weihnachten kommt trotzdem“. Eure Bäuerin Katharina.