Manchmal kommt alles anders…..

…. als man denkt. Die grösste Freude im Stall hat ein Bauer, wenn die Geburten gut vorüber gehen und alle gesund sind. Ist das Neugeborene dann noch weiblich, springt das bäuerliche Herz in die Höhe.

Unsere Rappstute Perl brachte am 24.3. ein süßes Stutfohlen auf die Welt. Wir durften diese schönen Momente miterleben und waren ihr dabei behilflich. Dass Fohlen sich anfangs mit dem Trinken schwer tun, weil sie die Zitzen nicht richtig greifen und begreifen können, kann jede Mutter verstehen (beim Menschen ist es auch nicht viel anders). Auch unser Fohlen Jedenfalls war sowohl mit Fläschchen, als auch direkt bei der Stute nicht möglich.

 

Meinem Mann fiel auf, dass die Zunge sehr kurz ist und so riefen wir den Tierarzt und auch eine Tierklinik an, um nach Rat zu fragen.. Traurige Nachrichten fielen ins Haus – keine Rettung in Sicht, das Fohlen wird nie trinken oder fressen können. Wir mussten uns vom Fohlen verabschieden. Eine solche Situation bricht einem das Herz.

Zwei Tage darauf meldete sich der Pferdezuchtverband mit einer Suche nach einer Ammenstute, weil ein Fohlen dringend eine „Mutter“ bräuchte. Die Fohlen müssen beim händischen Aufziehen alle zwei Stunden gefüttert und versorgt werden. Wir meldeten uns, da Perl ja eine gute, erfahrene Mutter ist und wir sahen, wie sehr sie unter dem Verlust des Kleinen litt. Eine nette Pinzgauer Familie kam angefahren und zeigte uns stolz ihr Tigerfohlen, dessen Mutter gestorben ist. Wir besprühten beide mit Parfum und gaben ihnen Globoli – anfangs konnten sie sich gar nicht riechen, Perl zeigte sich nach fast 1,5 Stunden als gute Ersatzmama und ging der kleinen Ramona schon hinterher.

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Opa Hias gab der kleinen Ramona dann noch ein bisschen Hafer auf den Rücken, sodass Perl leichter begann, sie abzuschlecken und ganz langsam – anfangs sehr zögerlich und widerwillig, begann sie die Kleine trinken zu lassen. Schliesslich gaben sie die Männer in eine Box. Da ja Perl zwei Tage von ihrem Fohlen schon getrennt war, ging automatisch auch die Stutenmilch-Menge zurück und das Fohlen bekam zu wenig. Tierarzt Dr. Christ wusste auch hier einen Rat mit homöopathischen Mitteln und es wurde von Tag zu Tag besser. So hoffen wir jetzt einfach, dass es so bleibt und die beiden glücklich und ohne Komplikationen weiterleben 🙂

 

Auch wenn Ramona unser Fohlen nicht ersetzen kann und wir das Tigerfohlen nach dem Sommer wieder zurückgeben müssen, ist es doch schön, dass das Fohlen bestmöglichst versorgt wird und Perl in ihrer Lieblingsrolle – nämlich als Mama – aufgehen kann.

Alles Liebe vom Zittrauerhof im Gasteinertal und bis zur nächsten Bauernhofgeschichte. Katharina Schwaiger.

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Willkommen auf dieser Welt ….

Das ganze Jahr über gibt es bei uns am Zittrauerhof immer wieder Geburten, doch gerade im Herbst und Frühling ist besonders viel los in unseren Ställen.

 

Rund 35-39 Kalbinnen und Kühe am Hof bekommen bei uns pro Jahr ein Kalb. Und gerade im Spätherbst heißt es regelmäßig: Das Kalb kommt vielleicht heute nacht und man teilt sich das „Auf-Passen“ ein. Kühe suchen sich für die Geburt meist eine ruhigere Zeit aus, bei uns sehr häufig zu Mittag oder eben in der Nacht.

Sind sie noch auf der Weide, dann ziehen sie sich von der Herde zurück, um ein bisschen abgeschieden zu sein.  Mein Mann weiß die Zeichen einer bevorstehenden Geburt sehr gut zu deuten, zum Beispiel schaut er nach der Temperatur, ob der Schwanz schon „weich“ wird, wie der Schleim sich zeigt oder ob die „Flachse schon eingebrochen ist“, allerdings ist wie bei Menschen der Geburtstermin nicht genau vorhersehbar und man geht oft alle zwei Stunden zur Kontrolle rauf in den Stall, besonders nachts. kalbgeburt Ossenkamp.JPG

So wie Matthias die Zeichen zu deuten weiß, hat er sich über die Jahre am Hof hinweg auch angelernt, welche Griffe er während der Geburt ausführen muss und was es zu beachten gibt. Gibt es extreme schwere Geburten, wird der Tierarzt geholt, meist ist Matthias – wie auf fast allen anderen Bauernhöfen auch – der Bauer selbst jedoch der Geburtshelfer 🙂

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Julia mit dabei bei der Kälbergeburt – sichtlich ein Erlebnis

Sobald die Geburt rum ist, geht es an die Erstversorgung des Neugeborenen: Wasser in die Ohren des Kalbes, Schleim aus dem Mund und homöopathische Geburtsmittel für Kalb und Kuh. Anschließend ist es wichtig, dass die Kuh aufsteht und viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Hierfür bekommt sie  warmes Wasser, soviel wie sie will, gemischt mit Cola.

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mit dem Stroh abgerubbelt ….

Besonders groß ist die Freude, wenn es ein Kus-Kaibi (weibliches Kalb) ist, da wir die eigenen Kälber zur Aufzucht verwenden können, die Stierkälber werden nach den ersten Monaten an die Erzeugergemeinschaft zur Mast verkauft.

Nach der Erstversorgung wird das Kalb von der Mutter abgeschleckt und wir desinfizieren den Nabel des Kleinen. Kalb und Kuh bekommen dann von uns noch drei Tage homöopathische Mittel zur Stärkung einerseits, zum Zurückbilden der Gebärmutter andererseits.

Anschließend kommt das Kleine in die Kälberbox und wird mittels eines Trinkeimers mit der Muttermilch versorgt. Und wie beim Menschen auch, ist die Kolostralmilch von den ersten Melkeinheiten von besonders wichtiger Bedeutung und sehr kostbar! Bei uns heißt diese Milch „Biestmilch“. Die Biestmilch von den ältesten Kühen wird eingefroren und aufgehoben, um sie für Notfälle auf Vorrat zu haben. Sie kann auch zur Stärkung für einem selber im Rahmen einer Kur sehr gut angewendet werden und hilft gut. 

Es ist jedes Mal eine große Freude, wenn ein Kalb gesund zur Welt kommt. Schönen Sonntag euch allen. Ich freue mich schon auf die nächste Bauernhofgeschichte!

Katharina Schwaiger vom Zittrauerhof in Gastein.