… Gedanken …

Der Tag Allerheiligen und Allerseelen ist einerseits ein willkommener Feiertag, aber auch für viele mit intensiven Gedanken an die Verstorbenen verbunden. Traurigkeit macht sich oft breit und mit Wehmut denkt man die gemeinsamen Erlebnisse und vermisst diese Menschen umso mehr. Mir ist es jahrelang so gegangen, dass ich einfach nur froh war, wenn dieser Tag vorüberging und man ihm vom Kalender streichen konnte.

Unsere Tiere schaffen es immer wieder, dass sie gerade diese „schwierigen“ Tage erhellen und so konnte sich heute, als sich alle am Friedhof versammelten, unsere Kuh Bella entschließen, ein schönes Kalb auf die Welt zu bringen.

Mein Mann war bei der Geburt dabei und die Freude besonders groß, weil – weiblich –  und unsere Tochter gab ihr gleich den Namen „Bleami“ (Blume).  Mit solchen Ereignissen erhellt man diese trüben Tage und sieht, dass das Leben auch täglich schöne Dinge schenkt und jeder sie dringend zum Leben braucht.

Bella hat ihr zweites Kalb geboren und sie ist eine sehr fürsorgliche Mama. Wir lassen die Kälbchen, wenn die Mutter sie trinken lässt, meist 1-2 Tage in der Geburtsbox und geben sie erst dann zum Melkstand bzw. in den Kälbchen-Stall. Nach der Geburt bekommt die Kuh gleich viel warmes Wasser mit Cola gemischt, es enthält viel Zucker und hilft der Kuh, dass sie schneller auf die Beine kommt. Wir geben ihr soviel Wasser, wie sie will, immer lauwarm, nie kalt. Sie bekommt auch gleich Arnica Globoli verabreicht, auch das Kalb. Das Kälbchen wird ausschließlich anfangs mit der Biestmilch (Kolostralmilch) der Mama genährt, 2  x täglich jeweils zwei Liter. Die Kolostralmilch ist dickflüssig, gelblich. Von den ältesten Kühen behalten wir uns die Milch der ersten Melkzeit immer auf und frieren sie ein. Hat eine Kuh keine Milch bei der Geburt oder ist sie krank, kann man immer auf die wertvolle Biestmilch vom eigenen Stall zurückgreifen.

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Auch ist es sehr gesund, die Biestmilch zur Stärkung selbst zu trinken. Ich friere sie mir in Eisbeutel ein und mische mir jeden Tag ein kleines Würferl in das Joghurt am Morgen. Das stärkt auf ganz biologische Weise. Für die Spitzensportler wird die Kolostralmilch in Tablettenform produziert, hat mir eine Vorarlberger Praktikantin erzählt.

So geht ein besinnlicher, nachdenklicher Tag mit einem erfreulichen Ereignis zu Ende. Bis bald bei der nächsten Bauernhofgeschichte. Katharina Schwaiger, Bäuerin vom Zittrauerhof.

 

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Manchmal kommt alles anders…..

…. als man denkt. Die grösste Freude im Stall hat ein Bauer, wenn die Geburten gut vorüber gehen und alle gesund sind. Ist das Neugeborene dann noch weiblich, springt das bäuerliche Herz in die Höhe.

Unsere Rappstute Perl brachte am 24.3. ein süßes Stutfohlen auf die Welt. Wir durften diese schönen Momente miterleben und waren ihr dabei behilflich. Dass Fohlen sich anfangs mit dem Trinken schwer tun, weil sie die Zitzen nicht richtig greifen und begreifen können, kann jede Mutter verstehen (beim Menschen ist es auch nicht viel anders). Auch unser Fohlen Jedenfalls war sowohl mit Fläschchen, als auch direkt bei der Stute nicht möglich.

 

Meinem Mann fiel auf, dass die Zunge sehr kurz ist und so riefen wir den Tierarzt und auch eine Tierklinik an, um nach Rat zu fragen.. Traurige Nachrichten fielen ins Haus – keine Rettung in Sicht, das Fohlen wird nie trinken oder fressen können. Wir mussten uns vom Fohlen verabschieden. Eine solche Situation bricht einem das Herz.

Zwei Tage darauf meldete sich der Pferdezuchtverband mit einer Suche nach einer Ammenstute, weil ein Fohlen dringend eine „Mutter“ bräuchte. Die Fohlen müssen beim händischen Aufziehen alle zwei Stunden gefüttert und versorgt werden. Wir meldeten uns, da Perl ja eine gute, erfahrene Mutter ist und wir sahen, wie sehr sie unter dem Verlust des Kleinen litt. Eine nette Pinzgauer Familie kam angefahren und zeigte uns stolz ihr Tigerfohlen, dessen Mutter gestorben ist. Wir besprühten beide mit Parfum und gaben ihnen Globoli – anfangs konnten sie sich gar nicht riechen, Perl zeigte sich nach fast 1,5 Stunden als gute Ersatzmama und ging der kleinen Ramona schon hinterher.

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Opa Hias gab der kleinen Ramona dann noch ein bisschen Hafer auf den Rücken, sodass Perl leichter begann, sie abzuschlecken und ganz langsam – anfangs sehr zögerlich und widerwillig, begann sie die Kleine trinken zu lassen. Schliesslich gaben sie die Männer in eine Box. Da ja Perl zwei Tage von ihrem Fohlen schon getrennt war, ging automatisch auch die Stutenmilch-Menge zurück und das Fohlen bekam zu wenig. Tierarzt Dr. Christ wusste auch hier einen Rat mit homöopathischen Mitteln und es wurde von Tag zu Tag besser. So hoffen wir jetzt einfach, dass es so bleibt und die beiden glücklich und ohne Komplikationen weiterleben 🙂

 

Auch wenn Ramona unser Fohlen nicht ersetzen kann und wir das Tigerfohlen nach dem Sommer wieder zurückgeben müssen, ist es doch schön, dass das Fohlen bestmöglichst versorgt wird und Perl in ihrer Lieblingsrolle – nämlich als Mama – aufgehen kann.

Alles Liebe vom Zittrauerhof im Gasteinertal und bis zur nächsten Bauernhofgeschichte. Katharina Schwaiger.