Wetzstoa und Gebackene Mäuse

Es ist nun wieder mal an der Zeit, ein traditionelles Schmankerl aus der bäuerlichen Küche zu posten. Früher für viele Bauernmärkte gemacht, heute als Nachtisch für die Bauarbeiter : Wetzstoa (sind länglich) und Gebackene Mäuse. Es ist ein einfaches Germteig-Rezept, das man dann mit dem Löffel raussticht und ins heisse Fett gibt. die Wetzstoa Nudeln sind länglich, man sticht einen Teig aus der Schüssel und formt den Teig länglich wie einen kleinen Strutzen. Der Name Wetzstoa kommt von „Wetzstein“ – beim Sensenmähen hat man einen Wetzstein zum Schleifen der Sense und daher kommt wohl der Name, weil die längliche Mehlspeise auch dann so aussieht wie der Wetzstoa beim Sensen wetzen 🙂

IMG-20180426-WA0013

In das Mehl in der Mitte eine kleine Grube machen, eine Packung Trockengerm oder eine halbes Hefewürferl sowie den Zucker mit reingeben, lauwarme Milch in die Grube dazu und ein bisschen umrühren, gehen lassen für ein paar Minuten. Das Salz auf der Seite dazu und die Eier ebenso reingeben. Den Teig gut verkneten und bei Zimmertemperatur eine Stunde gehen lassen. Man nimmt Weizenmehl für dieses Rezept.

Anschliessend erhitzt man Öl oder Butterschmalz und sticht, wenn das Fett ca. 160 Grad hat, mit dem Löffel in die Masse und gibt einen Löffel voll in das heisse Fett. Durch das einfache Reinstechen entsteht eine „Maus“ oft auch mit einem Schwanzerl dabei. Daher dieser Name bei dieser Mehlspeise. Langsam rausbacken und ab und zu drehen. Auf jeden Fall kann man mit einem Spiess kurz reinstechen und hat so die Kontrolle, ob innen der Teig auch komplett durch ist. Bleibt nichts „picken“, so kann die Mehlspeise raus auf ein Blech mit Küchenrolle. So rinnt das Fett ab. Die Gebackenen Mäuse oder Wetzstoa dann mit Staubzucker bestreuen und geniessen. Man kann diese Mehlspeise auch super einfrieren und ein anderes Mal zum Frühstück verwenden.

IMG-20180426-WA0010

Mahlzeit und viel Spass beim Probieren wünscht euch Katharina vom Zittrauerhof im Gasteinertal.

Möchtet Ihr bei der nächsten Bauernhof-Geschichte wieder etwas über unsere Tiere erfahren ? Inzwischen gibt es einen ganz süßen Nachwuchs 🙂

 

 

Advertisements

Stinkt die Kuh ?

Seit ein paar Tagen kursiert ein Facebook Bericht von einem Landwirt-Ehepaar, die darüber berichten, wie ihr Kind im Kindergarten verspottet wurde. Das Kind sei ein „Bauernkind“  und „stinke“ nach Kühen.

Der Bericht hat mich persönlich sehr getroffen und lange beschäftigt. Er zeigt, dass noch sehr viel Aufklärungsarbeit über das Leben als Bauer geleistet werden muss.

Kälbchen mit Kind geburt.jpg

Ich wurde an meine frühere Schulzeit erinnert – die ja auch noch nicht Ewigkeiten her ist: Wir waren nur ein paar Bauernkinder in der Klasse. Und wahrscheinlich genau deswegen wurden wir gehänselt. Wären mehr Bauernkinder in der Klasse gewesen, wäre es wahrscheinlich anders gewesen, da unser Leben dann als selbstverständlicher angesehen worden wäre.

Kommt ihr frisch aus dem Stall? Hast du dich denn überhaupt gewaschen?

Solche und andere Boshaftigkeiten bekamen wir den Schulvormittag über an den Kopf geworfen. Ich selbst konnte das Verhalten meiner Mitschüler nie verstehen. Warum dachten sie so über den Bauernstand? Hatten sie überhaupt Ahnung von unserem Leben? Ja, ich war oft bei den Tieren! Aber danach habe ich mich gewaschen und die Kleidung gewechselt! Ganz normal eben. So wie man es im alltäglichen Hofleben eben macht.
Zuerst habe ich mich gar nicht getraut, zuhause davon zu erzählen. Ich wusste nicht, wie die Reaktion darauf wäre. Was passieren würde. Und ob ich danach nicht nur noch mehr gehänselt werden würde.

Doch irgendwann erzählte ich es doch. Wir hatten das Glück, dass mein Onkel in die Schulklasse kam und die ganze Situation klärte. Und auch unsere Lehrerin nahm sich des Problems an.
Danach hatten wir unsere Ruhe und das Blatt wendete sich: Die Schulkameraden wurden auf den Hof eingeladen und sie stellten fest, dass wir doch ein tolles Leben führen. Der Hof hat eine wunderschöne Aussicht, unzählige Spielmöglichkeiten waren rundherum und um die zahlreichen Tiere wurden wir beneidet.

Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als einen Bauernhof zu haben, auch wenn man auf vieles verzichten und wie jeder andere Selbstständige täglich sein Brot hart verdienen muss. Aber allein der Zugang zu den Tieren ist etwas Wunderbares, das Rauslaufen können und die Verbundenheit mit der Natur – einfach unersetzbar.

20150523_161809.jpg     elisabeth pekrul, kind mit esel angelina 2014.JPG

Viele Kinder kommen auch ganz „anders“ wieder zurück, wenn sie bei den Katzen, Hasen, Schweinen oder Kälbern waren, sie sind ausgeglichener, erleben Freude und haben tierisch gute Freunde gefunden, denen man nicht viel erklären und erzählen muss. Sie verstehen einem eben und „saugen“ Probleme auf. Unsere Gäste nehmen meistens ein eigenes Stallgewand für die Kinder mit und sind glücklich darüber, dass die Kinder bei den Tieren so eine Freude haben und dabei ist der Stallgeruch komplett nebensächlich.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hier  Maurachgut bin ich aufgewachsen – mein persönliches Paradies

Zu uns sagten viele Gäste: „Kinder ihr wohnt im Paradies“ – ich hab mich darüber oft ein wenig lustig gemacht, als Kind habe ich das nicht so gesehen. Wir sind zwar mit dem Schlitten und den Skiern in den Ort gefahren, aber es war eben immer ein Stück zu gehen, bis wir zur Schule kamen oder uns mit Freunden treffen konnten. Wenn man älter ist, möchte man diese Zeit überhaupt nicht missen, erinnert sich gerne an die Abenteuer beim Runterfahren, die lustigen Geschichten, die erzählt wurden.

Derzeit nehme ich einen Trend war, dass die Bauernkinder wieder stolz darauf sind, in einem bäuerlichen Betrieb aufzuwachsen und das ist gut so. Sie kennen die Eigenarten der alpinen Landwirtschaft, können sich mit der umliegenden Natur identifizieren und wissen das Leben außerhalb des Medienkonsums zu schätzen. Und grade dieses ursprüngliche Erleben weckt die Sehnsucht der Leute, sich für das Hofleben zu öffnen und dessen ganze Facetten selbst erleben zu wollen.

SDC10294.JPG

Und damit ist ein Grundstein für uns Landwirte gelegt, an dem wir ansetzen können. Es ist ein Teil unseres Hofalltags am Zittrauerhof, den Gästen unsere Werte, Traditionen und einfache Lebensweisen näher zu vermitteln und so ein neues Bild des bäuerlichen Lebens in der Gesellschaft zu verankern.

Wer Interesse hat, den Bericht des Landwirt-Ehepaars zu lesen, gerne – hier ist der Link.

Alles Liebe aus dem  Gasteinertal,
Bäuerin Katharina vom Zittrauerhof
www.gasteinurlaub.com